Schreibe direkt nach dem Aufwachen drei ungefilterte Seiten, ohne zu stoppen, zu löschen oder zu bewerten. Erlaube dir Unschärfen, Wiederholungen, Langeweile, bis plötzlich ein Satz aufblitzt, der trägt. Lege die Seiten beiseite, gewinne Distanz und nimm später nur ein Detail heraus, das du weiterverfolgst. Diese einfache Praxis entknotet Gedanken, senkt innere Hürden und schafft eine freundliche Grundwärme, in der kreative Vorhaben müheloser beginnen.
Setze dir winzige, poetische Marker im Alltag, indem du Haikus über kleine Beobachtungen schreibst: beschlagene Fenster, eine Tasse Tee, der Ton eines entfernten Zuges. Strengere Form schenkt Freiheit, weil Entscheidungen schon getroffen sind. Sammle täglich drei Entwürfe, wähle den klarsten und notiere, was du fühlst. Nach einer Woche siehst du Motive wiederkehren und erkennst, welche Bilder dich wirklich tragen.
Begrenze dich bewusst auf hundert Wörter, um Struktur und Präzision zu schärfen. Beginne mit einer Figur, einem Wunsch und einem Hindernis, dann lasse eine überraschende Wendung folgen. Lies den Text laut, streiche Füllwörter, suche aktive Verben, und gib dem letzten Satz einen Nachhall. Diese Mikroform trainiert Timing, baut Selbstvertrauen auf und lässt sich überall einschieben, sogar in einer kurzen Wartepause.